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Tourismusregion Bodensee

UNESCO-Kulturlandschaft Bodensee: Diskussion mit Tourismusfachleuten eröffnett


IBT-Gesellschafter befürworten Projekt „Positionierung Bodensee“ / gemeinsame professionelle Markenpositionierung für die Region


2005

Am vergangenen Donnerstag fiel in Friedrichshafen im Rahmen der Initiative „Pro UNESCO-Kulturlandschaft Bodensee“ der Startschuss zur Diskussion des Themas mit wichtigen regionalen Akteuren. Bodensee-Stiftung, Internationale Bodensee Tourismus GmbH und die Stadt Friedrichshafen hatten zum Runden Tisch mit Touristikern geladen. Rege Diskussionen zeigten, dass dieses Thema von großem Interesse ist und dass trotz ungeklärter Fragen die UNESCO-Kulturlandschaft aus Sicht des Tourismus mit vielen Chancen verbunden ist.

Daniela Pahl von der IBT zeigte sich in ihren Grußworten an die rund 35 Teilnehmer „offen und gespannt auf die kommende Diskussion um die UNESCO-Kulturlandschaft“. Bereits mit einer klaren Vision in Richtung Weltkulturlandschaft ergänzte Tillmann Stottele vom Umweltamt der Stadt Friedrichshafen: „in der Region gibt es vielversprechende Bemühungen und Initiativen, den nachhaltigen Tourismus entsprechend zu fördern. Die Idee der UNESCO-Kulturlandschaft bietet die Chance, diesen vielfältigen Möglichkeiten ein Dach zu geben, unter dem sie gemeinsam tätig werden können.“
 
Zunächst gab Marion Hammerl, Geschäftsführerin der Bodensee-Stiftung, einen Einstieg ins Thema: was bedeutet das Prädikat UNESCO-Kulturlandschaft, welche Rechte und Pflichten entstehen daraus und warum hat die Bodenseeregion gute Chancen, diese Auszeichnung zu erhalten? Mit der Bewerbung um das begehrte Prädikat muss ein entsprechender Managementplan eingereicht werden. Marion Hammerl betonte dabei ausdrücklich, dass die UNESCO keine neuen Gesetze fordert, sondern vielmehr diesen Plan als Grundlage ihrer Entscheidung einbezieht. Die bestehenden Regelungen hinsichtlich Raumplanung, Umweltgesetzgebung etc. rund um den See sind völlig ausreichend, der UNESCO-Kulturlandschaft und dem dafür vorgesehenen Managementplan einen Rahmen zu bieten. Alle bestehenden Ansätze müssten lediglich zu einem Gesamtkonzept integriert werden.

Als externer Referent schilderte Dr. Heino Rönneper aus der UNESCO-Kulturlandschaft Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz zunächst den dortigen jahrelangen Entwicklungsprozess und fand lobende Worte für die bereits bestehenden Strukturen in der Bodenseeregion. Das Mittelrheintal wurde aufgrund seiner Besonderheiten als Verkehrslandschaft von der UNESCO ausgezeichnet. Die anschließende ausführliche Diskussion, wichtiges Element der Runden Tische, konzentrierte sich auf die drei Fragen: Welche Chancen bietet eine UNESCO Kulturlandschaft? Welche möglichen Nachteile könnten entstehen? Welche Inhalte sollte ein Managementplan bearbeiten?
Die Touristiker sind  nach lebhafter Diskussion gegenüber einer Auszeichnung mehrheitlich unentschieden,- mit durchaus positiver Tendenz. Es wird darauf ankommen, gemeinsam einen Managementplan zu entwickeln, der bisherige, teilweise diffuse Bedenken in verlässliche Parameter überführt. Das UNESCO-Prädikat gilt als Qualitätssiegel und kann dabei helfen, den Bekanntheitsgrad der Destination Bodensee auf internationaler Ebene zu stärken und neue Zielgruppen zu erschließen. Dr. Rönneper berichtete über Reiseagenturen, die sich auf Reisen zu den Welterbestätten für kultur- und naturinteressierte Touristen spezialisiert haben.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass ein länderübergreifender Managementplan ein wichtiger Beitrag für den Erhalt der Natur- und Kulturwerte ist – schon heute Grundlage für den Tourismus am Bodensee. Professor Karl Heinz Hänssler von der Berufsakademie Ravensburg betonte die Notwendigkeit, die Qualität der touristischen Angebote am Bodensee zu verbessern und sieht im Managementplan eine gute Chance mit konkreten Maßnahmen dazu beizutragen. Auch die Stärkung der regionalen Identität wird als eine Chance der UNESCO-Initiative betrachtet.

Zu den kritischen Punkten, die noch weiter diskutiert werden müssen, gehören die möglichen Imageverluste, falls es zu Konflikten mit der UNESCO kommt. Ulrich Müller, Vorsitzender der IBT und Mitglied des Landtags, erkundigte sich nach der konkreten Handhabung vor Ort, wenn wichtige Maßnahmen in der UNESCO-Kulturlandschaft geplant sind. Dr. Rönneper fand hierfür beruhigende Worte: „Wenn es sich um einschneidende regionale Planungen handelt, die möglicherweise den Zielen des Managementplans entgegen stehen, sollten die UNESCO Experten frühzeitig eingebunden werden. Die UNESCO will aber nicht nur die Vergangenheit schützen, sondern erkennt durchaus an, dass sich eine Landschaft weiter entwickelt. Allerdings muss diese Entwicklung im Rahmen der Nachhaltigkeit stehen.“

Auch die Frage der Finanzierung wurde intensiv diskutiert. Wer übernimmt die Koordination und die Kosten einer UNESCO Kulturlandschaft? Stünden der IBT auch die notwendigen Mittel zur Verfügung, wenn sie weitere Aufgaben, z.B. im Bereich der Kommunikation, übernimmt? Wird es Förderprogramme für die Verbesserung der Qualität der touristischen Angebote geben?

Der Managementplan war weiteres zentrales Thema der Diskussion. Marion Hammerl erläuterte, dass es in der gemeinsamen Verantwortung der Länder liegt, diesen Plan zu erarbeiten. Sie betonte, dass alle Interessengruppen eingebunden werden sollten, um realistische Ziele zu definieren, die von alle gemeinsam getragen werden können. Prof. Hänssler ist es besonders wichtig, dass ein solcher Managementplan flexibel ist „ Es muss auch in Zukunft möglich sein, Außergewöhnliches wie die Imperia in Konstanz zu realisieren!“

Abschließend waren die Anwesenden sich darüber einig, dass der Einstieg in die Diskussion zur UNESCO-Kulturlandschaft einen wichtigen Schritt für die Region bedeutet. Zur weiteren Vertiefung des Themas und insbesondere der möglichen Gestaltung eines Managementplanes wurde auf Einladung der Stadt Friedrichshafen ein weiterer Runder Tisch im Herbst vereinbart. Dazu wird nach Möglichkeit ein UNESCO-Experte eingeladen.

Die Verantwortlichen der Initiative „Pro UNESCO-Kulturlandschaft Bodensee“ unter Federführung der Bodensee-Stiftung zeigten sich erfreut über den Verlauf der Veranstaltung und sehen den weiteren Runden Tischen zu den Themen Landwirtschaft, Kultur, Wirtschaft, Siedlung und Verkehr sowie Zusammenarbeit mit Verbänden gespannt entgegen.


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